22 Holzfloß gea Groesse
 
 
Das Holländerfloß
Flöße in der hier gezeigten Größe fuhren um 1800 auf dem Rhein. Die riesige Holzmasse, die mit bis zu 300 m Länge und 50 m Breite weit länger und breiter als unsere großen Schubverbände war, musste mit Menschenkraft um die vielen scharfen Krümmungen des Stroms herumgeführt werden. Das Floß durfte noch weniger als ein Schiff am Ufer oder an Sand- oder Felsbänken anstoßen, weil es ja kein starres Gebilde war und leicht auseinanderbrechen konnte. An den Schmalseiten vorn und hinten standen Ruderknechte in langer Reihe, die nach Kommando der auf hohen Steuerstühlen sitzenden Steuermänner das Floß nach Kommando in die erforderliche Richtung lenkten, und zwar standen an jedem der 16 – 20 „Streichen“ (Ruder), die 14 m lang waren, 7 Ruderer. Außerdem war ein Teil des Floßes in ganzer Breite als Steuer eingerichtet; zwei oder drei kurze Floßstücke, die sogenannten Knie, konnten mit Hilfe von Winden („Kapständer“), Seilen und großen Bäumen schräg zur Achse des Haupt- oder Steifstücks gestellt werden. So half diese „Schlenkerung“, ohne Anstoß durch scharfe Krümmungen zu kommen. 
Dies nicht genug, standen 16 bis 20 Ankernachen, je mit 7 Mann besetzt, ständig bereit, in scharfen Krümmungen Anker quer zur Fahrtrichtung an der Innenseite auszubringen, so dass das Floß von der Strömung herumgedreht, nicht an der Außenseite auffahren konnte. 
 
Das Hauptfloß hatte etwa 2 m Tiefgang. Das Steuern eines solchen Riesenfloßes war eine Kunst, die sich in wenigen Familien als Tradition fortpflanzte. Oft mussten Flöße wegen zu niedriger Wasserstände liegen bleiben und überwintern. Die Mannschaft bestand gewöhnlich aus bis zu 500 Menschen. Diese setzte sich aus einem kleineren Flößerdamm und einer großen Menge wandernder Handwerker und Auswanderer zusammen. Das Mitfahren als Hilfskraft war für diese eine billige Reisemöglichkeit nach, von Holland aus, nach Amerika auszuwandern. Auf der Fahrt von Mainz nach Dordrecht / NL mussten noch 20 Zollstellen passiert werden. Ein Floß war von Mainz bis Dordrecht etwa 12 Tage unterwegs. In Dordrecht wurden die Flöße zerlegt und für den Schiffsbau verwendet oder über See ausgeführt. Den Flößen fuhr ein Wahrschaunachen um etwa eine Stunde voraus, er forderte durch Signale die Schiffe auf, Platz zu machen, denn dem Anprall einer so riesigen Holzmasse konnte nichts widerstehen, und seine Mannschaft sorgte für das Öffnen der Schiffsbrücken. 
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